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Gesundheitliche Auswirkungen von Fluglärm

Nachrichten Gesundheit

10.09.2018

Stellungnahme zum UFOPLAN Vorhaben 2016 - FKZ 3716 5220 00 - Joachim Alt, Wolfgang Schwämmlein

Am 17. April werden in Bonn die Ergebnisse des UFOPLAN-Vorhabens FKZ 371652200 – Ultrafeinstaub im Umfeld eines Großflughafens vorgestellt.
18.06.2018

Ultrafeinstaub die verschwiegene Gefahr über Rhein-Main

BBBTV: Informationsfilm zum Thema Ultrafeinstaub aus Flugzeugtriebwerken

Herz-Kreislauf: HYENA – Studie

Kurzzusammenfassung:

  • Personen, die erhöhtem Nachtfluglärm ausgesetzt sind, haben häufiger höhere Blutdruckwerte, als Menschen in ruhigeren Wohngebieten.
  • Ein Anstieg des nächtlichen Fluglärmpegels um 10 Dezibel [dB(A)] im Schallpegelbereich zwischen 30-60 [dB(A)] erhöht das Risiko für Bluthochdruck bei Frauen und Männern um rund 14 Prozent.
  • Signifikante Erhöhung der morgendlichen Cortisol (Stresshormon) -Konzentration im Speichel bei weiblichen Probanden in Abhängigkeit von LAeq,24h: 34% Zunahme von < 50 dB auf > 60dB
  • Höherer Verbrauch an Angstlösenden Mitteln bei Menschen mit erhöhter Fluglärmbelastung


Auftraggeber
: EU: 5. Rahmenforschungsprogramm): Quality of Life and Management of Living Resources, erstellt von-bis: 2002-2006

Querschnittsstudie: über 5.000 Teilnehmer, 6 europäische Flughäfen: Amsterdam, Athen, Berlin, London, Mailand und Stockholm

Ziele:

  • Aufstellen von Dosis-Wirkungsbeziehungen für langanhaltende Belastungen durch Fluglärm, Straßenverkehrslärm und einer Kombination beider und der Prävalenz für Bluthochdruck
  • Berücksichtigung der modifizierenden Effekte der verkehrbegleitenden Luftverschmutzung (N02, PM)
  • Berücksichtigung des individuellen Gesundheitszustandes und der Wohnsituation (bspw. Fenster)
  • Untersuchung der Lärmauswirkungen auf Stresshormonhaushalt (Cortisol, n=517)
  • Auswirkungen von hohen (> 60 dB(A)) und eher geringeren (< 50 dB(A)) Lärmbelastungen
  • Fluglärm wurde anhand der Flugbewegungen und Flugzeugdaten ermittelt. Die nächtliche Fluglärmbelastung der Testpersonen lag zwischen 30 und 60 dB(A).
  • Die Stichproben schlossen auch Personen ein, die keinen wesentlichen Lärmbelastungen ausgesetzt waren. Das ermöglichte Vergleiche zwischen Personen aus stark und weniger stark lärmbelasteten Wohngebieten.
  • Keine Unterschiede der  Vergleichsgruppen in soziodemografischen Merkmalen – wie Alter und Schulbildung – oder bestimmten Risikomerkmalen – etwa Rauchen, Übergewicht, körperliche Aktivität –.


Ergebnisse:

  • Im Ergebnis der Untersuchung zeigte sich für alle Flughäfen: Personen, die Nachtfluglärm ausgesetzt waren (mittlere Lärmbelastung im Zeitraum zwischen 22:00 Uhr bis 6:00 oder 23:00 bis 7:00 Uhr, je nach Land) wiesen häufiger höhere Blutdruckwerte (vor Ort gemessen) auf oder waren bereits wegen Bluthochdrucks in ärztlicher Behandlung, als Personen aus ruhigeren Wohngebieten. Die Forscher fanden heraus: Ein um 10 dB(A) höherer Fluglärmpegel ist mit einem Anstieg des Risikos für Bluthochdruck um rund 14 Prozent verbunden. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.
  • Für den Flughafen Berlin-Tegel existiert ein Nachtflugverbot. Die Ergebnisse der Berliner Teilstichprobe stellen sich daher etwas anders dar: Hier war es vornehmlich die Tages-Lärmbelastung (gemessen zwischen 6 Uhr und 22 Uhr), die mit einem erhöhten Blutdruckrisiko einherging.
  • Es wurde weiterhin die Straßenverkehrslärmbelastung der Anwohner ermittelt. Dies geschah in Berlin mit Hilfe der Berliner Verkehrslärmkarte. Im Ergebnis ist auch für den Straßenverkehrslärm ein Zusammenhang zwischen Lärm und höherem Blutdruck nachweisbar. Steigt der mittlere Straßenverkehrslärmpegel (24 Stunden-Mittelwert) um 10 dB(A), erhöht sich das Risiko für Bluthochdruck um etwa zehn Prozent, im Schallpegelbereich von 45 bis 70 dB(A). Die Berliner Ergebnisse weichen im Vergleich zu den anderen Flughäfen insofern etwas von der Gesamtauswertung ab, als in Berlin der Straßenverkehrslärm einen etwas stärkeren Einfluss auf den Blutdruck hatte als der Fluglärm.


Belästigung durch Fluglärm
(Subjektive Einschätzung der Lärmsituation der befragten Personen):

  • deutlicher Zusammenhang zwischen der Lärmbelästigung des Flug- sowie des Straßenverkehrslärms und dem Schallpegel außerhalb der Wohnungen besteht:
  • Je höher die Schallbelastung, desto höher die Belästigung der Menschen durch den Lärm.
  • Bei gleicher Schallbelastung durch Fluglärm fühlen sich die Menschen stärker gestört


Medikamentengebrauch:

  • Mittel gegen hohen Blutdruck werden in Holland und England in Fluglärm-belasteten Gegenden signifikant häufiger eingenommen als in unbelasteten.
  • In Regionen ohne Nachtfüge ist die Einnahme von Hochdruckmitteln nicht erhöht.
  • Die Einnahmehäufigkeit von Beruhigungsmitteln (Angstlösende Arzneimittel) steigt signifikant mit der Stärke des Fluglärms.


Unterstudie Cortisol:

  • Nachweis von Cortisol als Langzeit-Stress-Indikator im Speichel
  • 439 Probanden
  • Ergebnis: signifikante Erhöhung der morgendlichen Cortisolkonzentration im Speichel bei weiblichen Probanden in Abhängigkeit von LAeq,24h: 34% Zunahme von < 50 dB auf > 60dB


Literatur:

http://www.hyena.eu.com/Reports.htm
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2008/pd08-003.htm
Floud S et al. Occup Environ Med 2011 Jul;68(7):518-24
Haralabidis AS et al.  J Epidemiol Community Health. 2010 Jun 27
Babisch W et al. Environ Int. 2009 Nov; 35(8):1169-76
Selander J et al. Environ Health Perspect. 2009 Nov; 117(11): 1713-1717
Haralabidis AS et al. Eur Heart J. 2008 Feb 12
Jarup L et al. Environ Health Perspect 2008; 116:329-33
Jarup L et al. Environ Health Perspect 2005; 113:1473-8.